Hereditäre
Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit, HFE-HHC, HH) ist eine
Eisen-Stoffwechselkrankheit mit einer geschätzten Frequenz von
1: 200 bis 1:400 der Bevölkerung europäischen Ursprungs. Sie
ist damit eine der häufigsten Erbkrankheiten.
Die Ursache der Krankheit liegt in der
gesteigerten Aufnahme von Eisen im Dünndarm die zu
Eisenablagerungen in Organen wie Leber, Haut und Herz führt.
Von Ablagerungen betroffen sind endokrine Drüsen wie die
Hypophyse, aber auch Gelenke.
Hämochromatose manifestiert sich in der Regel
bei Männern zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr, bei Frauen
meist erst nach der Menopause. Uncharakteristische Symptome sind
Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Depression, Abdominalschmerz,
Infektanfälligkeit und Impotenz. Eisenablagerungen können zu
einer braungrauen Hautpigmentierung führen (Bronzetönung).
Bei ausgeprägter Hämochromatose steht eine
Lebererkrankung mit erhöhten Aminotransferase Werten, mit oder
ohne Hepatomegalie, zirrhotische Veränderungen von Leber und
Pankreas und hepatozelluläre Karzinomen im Vordergrund.
Hinzutreten können endokrine Erkrankungen wie Diabetes,
Hodenatrophie, Impotenz und Hypothyreose. Desweiteren gehören
Arrhythmie, Kardiomyopathie und Arthropathie zur Symptomatik1).
Biochemisch lassen sich eine erhöhte
Transferrinsättigung (>60%) und erhöhte Serum-Ferritinwerte
feststellen. Die Leberbiopsie weist erhöhte Eisenwerte auf.
Die Therapie besteht in der Reduzierung der
Eisendepots durch häufige Aderlässe bis zum Absinken des
Serumeisens. Eine frühzeitige Therapie, vor dem Auftreten von
Organschädigungen, führt zu einer normalen Lebenserwartung,
unbehandelt ist Hämochromatose letal.
Hämochromatose wird autosomal rezessiv
vererbt. Mutationen im HFE-Gen wurden als Ursache für
hereditäre Hämochromatose Typ 1 erkannt2). Das HFE-Gen
umfasst 7 Exone und befindet sich auf Chromosom 6p21.3. Die
Expression der ca 4 kB grossen HFE-mRNA wurde in fast allen
Organen mit Ausnahme des Gehirns gefunden.
Die noch nicht vollständig aufgeklärte
Funktion des 348 Aminosäuren grossen HFE-Proteins wird in der
Regulierung der Transferrin gekoppelten Eisenaufnahme vermutet.
Die häufigste HFE-Mutation ist die Cys282Tyr
Mutation im Exon 4. Homozygotie für diese Mutation wird bei
0.5% der Bevölkerung nordeuropäischen Ursprungs gefunden3).
Bei 80-90% der Patienten mit Hämochromatose findet sich diese
Mutation in homozygoter Ausprägung4). Eine zweite
HFE Mutation His63Asp wird bei ca 5% der Patienten in
Kombination mit der Cys282Tyr Mutation gefunden.
Weitere (seltene) Mutationen in allen 6 proteinkodierenden
Exonen sind beschrieben5).
Bei heterozygoten Trägern von HFE Mutationen
(ca 10% der europäischen Bevölkerung) zeigen sich erhöhte
Eisenwerte wodurch z.B. Komplikationen der chronischen Hepatitis
C verstärkt werden können6).
Das Screening des HFE-Gens auf Mutationen
liefert eine Bestätigung der Diagnose und ermöglicht das
frühe Aufspüren von präsymptomatischen Trägern von mutierten
Allelen.
Bei Verdacht auf Hämochromatose werden
zunächst die Exone 2 und 4 des Gens aus der genomischen DNA des
Patienten amplifiziert und sequenziert. Mutationen in diesen
beiden Gensegmenten bilden bis zu 95% der mutierten Allele4).
Bei Ausschluss von Mutationen an diesen beiden Genorten, kann
eine weitere Analyse der übrigen 4 proteinkodierenden Exone des
Gens von uns durchgeführt werden.
Ausschluss oder Bestätigung von Mutationen in
den Exonen 2 und 4 liegen in der Regel innerhalb von 3 Tagen
nach Eingang des Untersuchungsmaterials vor.
Bei Feststellung einer Mutation im HFE Gen eines Patienten
sollte die Analyse der entsprechenden Allele von Verwandten 1.
Grades in Betracht gezogen werden um Träger des Gendefekts
aufzuspüren.