Seltene Erbkrankheiten - Mutations-Screening  
 DMPK-Mutationen - myotonische Dystrophie Typ 1 - Curschmann-Steinert-Syndrom
Myotonische Dystrophie Typ 1 (DM11), ONIM 160900) ist eine multi-systemische, neuromuskuläre Erkrankung mit einer geschätzten Häufigkeit von 1:8000 in der europäischen und nordamerikanischen Population2). Es ist die häufigste Form der muskulären Dystrophie bei Erwachsenen und betrifft auch Organe wie Herz, Augen, endokrines System, zentrales und peripheres Nervensystem, gastrointestinale Organe, Knochen und Haut2). Auffällige Symptome sind Myotonie und von distal her fortschreitende Muskelschwäche, Muskelatrophie, Katarakt, Herzrythmusstörungen, psychische Veränderungen, endokrine Störungen, Hypersomnie, abnormer Glukose-Respons, Diabetes, verkalkende Epitheliome und bei Männern Haarausfall und Hodenatrophie.

Die Krankheit wird autosomal dominant vererbt. Im Jahr 1992 wurde eine Erweiterung einer Trinukleotidsequenz Wiederholung (CTGn) in der 3’-nicht translatierten Region des Myotonische Dystrophie Serin-Threonin Protein- Kinase Gens (DMPK) auf Chromosom 19q13,3 als molekulare Ursache für die myotonische Dystrophie Typ 1 erkannt3,4). Die Trinukleotid Wiederholung ist ein polymorpher genetischer Marker. In der gesunden Population sind 5 bis 37 Wiederholungen normal. Bei DM1-Patienten finden sich bei mäßig Erkrankten 50 bis 1000 Wiederholungen des CTG-Triplets. Bei schwer erkrankten Patienten mit neonatalem Atemnotsyndrom, Hypotonie und geistiger Behinderung finden sich über 1000 Wiederholungen5). Die DM-1 Mutation zeigt genetische Antizipation: Eine zunehmende Ausprägung der Symptome und Erweiterung der Trinukleotid-Wiederholungen bei aufeinander folgenden Generationen und mitotische und meiotische Instabilität6,7). Die Ausprägung der Symptome nimmt mit der Zahl der Wiederholungen zu. Erste Symptome treten im früheren Lebensalter auf.

Das Screening des DMPK Gens auf Erweiterung der Trinukleotidwiederholungen liefert eine Bestätigung der Diagnose myotonische Dystrophie und ermöglicht das Aufspüren von pathogenen Mutationen bei klinisch unauffälligen Trägern von mutierten Allelen unter Verwandten der Patienten.

Bei Verdacht auf myotonische Dystrophie wird das Exon 15 aus der genomischen DNA des Patienten amplifiziert und dessen Größe bestimmt. Ausschluss oder Bestätigung von Mutationen in Exon 15 liegen in der Regel innerhalb von zwei Tagen nach Eingang des Untersuchungsmaterials vor.

Bei Feststellung einer abnormen Wiederholung des CTG-Triplets im DMPK Gen des Patienten sollte die Genanalyse von weiteren Verwandten in Betracht gezogen werden, um Träger des Gendefekts aufzuspüren.

1) The International Myotonic Dystrophy Consortium (IDMC), Neurology 54:1218-1221. New nomenclature and DNA testing guidelines for myotonic dystrophy type 1 (DM1).
2)
Harper, P.S. (1989) Myotonic dystrophy, 2nd. edn., Saunders, Philadelphia.
3)
Mahadevan et al. (1992) Science 255:1253-1255. An unstable triplet repeat in a gene related to myotonic muscular dystrophy.
4)
Brook et al. (1992) Cell 68:799-808. Molecular basis of myotonic dystrophy: expansion of a trinucleotide (CTG) repeat at the 3’ end of a transcript encoding a protein kinase.
5)
Miller et al. (2000) EMBO J. 19:4439-4448. Recruitment of human muscleblind proteins to (CUG)n expansions associated with myotonic dystrophy.
6)
Ashizawa et al. (1992) Neurology 42:1877-1883. Anticipation in myotonic dystropy. II. Relationships between clinical findings and structure of the GCT repeat.
7)
Khajavi et al. (2001) Hum. Mol. Genet. 10:855-863.
Mitotic drive of expanded CTG repeats in myotonic dystrophy type 1 (DM1).

Als Untersuchungsmaterial bevorzugen wir 0.5 ml EDTA-Vollblut, das ungekühlt an uns verschickt werden kann. Auch kann anderes Untersuchungsmaterial wie Gewebebiopsien oder in Paraffin eingebettetes Material zur Analyse herangezogen werden. Eine vorherige Absprache über Probennahme und Versand ist notwendig.
Selbstverständlich steht Ihnen dieser Service 7 Tage in der Woche zur Verfügung.
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